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Stadtbibliothek
Stuttgart

Architekt: Eun Young Yi
Bauzeit: 2008 – 2011

Der Architekt sagt über sein Gebäude:

“Ein monolithischer Bau, der einen neuen Mittelpunkt einer modernen Gesellschaft signalisiert (…)”

Eine Stadt braucht Monumente,

sagte James Sterling *. Und dieses Haus ist ein Monument, das der konfusen Stuttgarter Innenstadt beinah etwas Fasson gegeben hätte. Wäre das nicht endlich Gelegenheit gewesen, STADT zu bauen? Doch leider ist etwas dazwischengekommen: UnKunstverstand, Investorenhörigkeit, Wurstigkeit… Es fällt einem dazu vieles ein, hier nur kurz der Hinweis, was aus der “Liegewiese für das Viertel” wurde (die auch ein Wasserbecken hätte werden können), der großzügig gedachten Umrahmung des Hauses: ein handtuchbreiter Rasenstreifen, ein Garnichts. Der große Stadtbau-Wurf, der das hätte werden können, blieb gleich hinter den kubischen Glasbausteinfeldern liegen. Wir haben ein Hundeklo dazugewonnen. Die vorgeschlagene “Sonderstellung des Bibliotheksgebäudes innerhalb der vom Rahmenplan vorgesehenen Blockstruktur”: Nicht umgesetzt.

Und überhaupt: Was hat es mit dieser “Blockstruktur” auf sich? Nichts. Es tut sich hier nämlich ein “unendlich leerer, unendlich stummer, unendlich bedeutungsloser Raum” (R. Ostertag) auf: Das sogenannte Europaviertel …: Wo Narren Stadt planen.

September 2020:

Zur Zeit wird das Gelände zwischen Heilbronner Straße und Stadtbibliothek mit einem Hochhaus bebaut. Wenn dann alles fertig ist, wird man das Bibliotheksgebäude nur noch sehen können, wenn man direkt davor steht.

Die ursprünglich vorgesehene begrünte Fassade strich der Investor, die STRABAG Real Estate GmbH, mit dem Hinweis auf Probleme mit dem Brandschutz, die ungelöst seien, sang- und klanglos, bei Nacht und Nebel. Ich vermute, dass auf die Fassadenbegrünung von Anfang an verzichtet werden sollte, um Geld einzusparen. Qualität des Baus ist da nicht so wichtig.

Aber gab es nicht verbindliche Vorgaben?

Ja, die gab es natürlich, als Ergebnis eines Architekturwettbewerbs, aus dem das Düsseldorfer Büro RKW Architektur+ als erster Preisträger hervorging. Dass man sich jedoch an Abmachungen nicht zu halten braucht, und Dreistigkeit, Korruption und Nepotismus auch bei diesem Projekt keine kleine Rolle spielten, geht wunderbar aus den Recherchen der Stuttgarter Zeitung hervor: Abruptes Ende des begrünten Hochhauses | Stuttgarter Zeitung, 13. 05. 2018

Wenn’s nicht so überaus ärgerlich wäre, wär’s fast zum Lachen. Eine STADT wird aber nicht im Komödienstadel gebaut, sondern in der Wirklichkeit. Die ist hier aber leider eine traurige.

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* Manfred Sack schrieb zur Eröffnung der Staatsgalerie 1984 in der ZEIT: “James Stirling lockerte das Terrain nicht wie andere mit viel Grünem auf. Er hatte nicht die Talaue im Kopf, sondern die Stadt, wie sie einmal war. Er hielt sich an die alte Struktur der Straßenblöcke und erhielt, um nicht noch mehr Erinnerungen zu zerstören, sogar die Mietshäuser hinter dem Kammertheater und baute elegant darum herum. Tradition war ihm wichtiger als die Chance einer neuen gelüfteten städtebaulichen Ordnung!”